Diese Frage höre ich sehr oft, meist noch mit folgenden Erläuterungen: "Zu Hause ist unser Kind aufgeweckt, lebhaft, fröhlich - wenn aber das Thema Schule zur Sprache kommt, kennen wir es fast nicht wieder; dann ist es nervös, aggressiv, fühlt sich ungerecht behandelt, hat zeitweise furchtbare Angst. Vor Schularbeiten erbricht es manchmal das Frühstück, beim Lernen kann es sich nicht konzentrieren, den gelernten Stoff behält es nicht im Gedächtnis...". Oft endet diese Aufzahlung mit der resignierenden Feststellung: "Wahrscheinlich ist mein Kind für diese Schule eben doch nicht intelligent genug, oder es lernt einfach zu wenig...".
Eltern, die so
denken, stellen eine
falsche Diagnose:
Mangelnde Intelligenz oder Lernunlust (Faulheit) sind in den seltensten Fällen
die Ursache von Schulproblemen. Gerade überdurchschnittlich intelligente oder
sensible Kinder - bekannte Fälle wie Albert Einstein, Gerhard Hauptmann, Winston
Churchill usw. zeigen dies - haben häufig Schwierigkeiten in der Schule.
Untersuchungen an Schulversagern haben ergeben, dass mehr als 90 % von ihnen
durchaus in der Lage gewesen wären, die betreffenden Schulen mit gutem Erfolg
abzuschließen.
Und wie steht es mit der
Faulheit?
Sicherlich gilt: "Ohne Fleiß kein Preis", aber starke Lernunlust ist in den
meisten Fällen nicht die Ursache, sondern die Folge einer Fehlentwicklung. Sie
zeigt, dass es nicht gelungen ist, die natürliche Leistungsbereitschaft, die
jedes Kind besitzt, zu aktivieren, das Interesse des Kindes zu wecken, kurzum:
das Kind zu motivieren.
Negative erste Schulerfahrungen, fehlendes Lob zum richtigen Zeitpunkt, zerstörerischer (statt aufbauender) Tadel zum falschen Zeitpunkt, haben Hemmnisse bewirkt, die dem Kind alles, was mit Schule und Lernen zu tun hat, zur Qual werden lassen. Und das, was gelernt wird, bringt wenig Erfolg; hormonell bedingt werden Denk- und Merkblockaden wirksam, die das Aufnehmen und Verarbeiten des gelernten Stoffes weitgehend unterbinden.
Lernen ist ein gut erforschter Prozess, wobei die Erkenntnisse der Kybernetik ganz wesentlich zur Klärung der Zusammenhänge beigetragen haben. Die Vernetzung vieler Faktoren und Kräfte (psychologische, biologische, physikalische) bewirken den Erfolg oder Misserfolg aller Bemühungen. Mit den richtigen Methoden und vor allem auch mit entsprechend engagierten Lehrern können erstaunlich positive Resultate erzielt werden, da Lernschwierigkeiten in den seltensten Fällen durch mangelnde Intelligenz verursacht werden.
Fehlende
Motivation steht fast immer am Anfang aller Probleme: "Ein nicht gespendetes Lob
für eine erbrachte Leistung, und war diese noch so klein, verhindert tausend
Leistungen, die man laut preisen würde".
Wenn am Anfang aller Bemühungen Misserfolg, Spott und Tadel steht, wird sehr
rasch, und bei jungen Menschen besonders leicht, ein Teufelskreis in Gang
gesetzt, der sich selbst laufend verstärkt und nur sehr schwer anzuhalten ist:
Misserfolg, Spott, Tadel,
führt zu
Motivationsverlust, Unsicherheit, weiteren
Misserfolgen.
Dies ergibt
mangelndes Selbstvertrauen, kein
Selbstwertgefühl, noch mehr Misserfolge, weiteren Tadel, totale Demotivation.
Die Folge sind:
Pessimismus, Schulversagen, soziales Fehlverhalten, negative Lebenseinstellung,
psychosomatische Störungen!
Die obige Darstellung geht bis zu den extremsten Folgen eines Negativkreislaufes, diese treten glücklicherweise nicht immer ein. Es sind aber viele Psychotherapeuten der Ansicht, dass Schulprobleme in der Kindheit wesentlich häufiger als bisher angenommen, die Ursache ernster Störungen im Erwachsenenalter sind. Aber auch, wenn es nicht zu totalem Schulversagen mit all seinen schlimmen Folgeerscheinungen kommt, sind Misserfolge in der Schule weit gravierender fürs Leben eines jungen Menschen, als nur das "Nichterlernen" eines bestimmten Wissensgebietes.
Wie kann nun der Beginn einer Negativspirale verhindert oder wie
kann eine bereits bestehende durchbrochen werden?
Wie bereits dargestellt, stehen am Anfang von Schulproblemen immer ungenügende
Lernmotivation oder emotionelle Sperren gegen Schule und Lehrer, ausgelöst durch
Frustrationserlebnisse oder frühe Misserfolge, die ihre Ursachen meist in falscher
Lerntechnik, in zu geringer Konzentrationsfähigkeit oder in sonstigen Problemen
im sozialen Umfeld des Kindes haben.
Um diese Sperren zu beheben, ist es notwendig, die auslösenden Schwierigkeiten zu analysieren und danach die jeweils geeigneten Methoden anzuwenden. Dabei kommt, wie schon mehrmals erwähnt, der Motivation, die neben Lob und Anerkennung auch auf anderen Faktoren beruhen kann, eine Schlüsselrolle zu. Um Anerkennung geben zu können, muss der Lernstoff vom Lehrer so aufbereitet und in gut fassbare Einzelschritte zerlegt werden, dass Erfolgserlebnisse unweigerlich eintreten, die dann vom Lehrer (und den Eltern) durch Lob verstärkt und in positive Impulse umgewandelt werden. Jede kleine Anerkennung spornt zu weiteren Fortschritten an und jeder erzielte Erfolg bewirkt das Verlangen nach weiteren Erfolgen (man spricht nicht ohne Grund von "erfolgssüchtig").
Aber auch notwendige Kritik kann durchaus motivierend und positiv verstärkend wirken, wenn sie nicht zerstörerisch, verletzend, lächerlich machend, sondern mit positiver Grundeinstellung erteilt wird (z.B.: "Diese Leistung war eigentlich unter deinem Niveau", oder, "bei deiner Intelligenz hätte aber mehr herauskommen können"). Wichtig am Tadel ist, dass er nicht als ungerecht empfunden wird und nicht das Selbstbewusstsein schwächt.
Das Ziel aller Bemühungen muss sein, einen
Kreislauf in Bewegung zu setzen, der im Gegensatz zur dargestellten
Negativspirale eine positive Richtung besitzt und zu entsprechend positiver
Selbstverstärkung führt:
Dem Lehrer kommt in der Auslösung und Steuerung dieses Kreislaufes eine wichtige Rolle und hohe Verantwortung zu. In der Aufbereitung des Lernstoffes wie auch in der Methodik des Unterrichts liegen die Faktoren für Erfolg oder Misserfolg begründet, denn Motivation kann nur eintreten, wenn das Angebot der Lerninhalte Erfolgserlebnisse überhaupt zulässt. Als Schlüsselbegriffe dafür seien genannt:
Und noch etwas:
Auch Lehrer brauchen, um engagierten und positiv orientierten Unterricht geben zu können, Motivation. Nichts bestärkt diese mehr als der Erfolg der Schüler! - Lehrer motiviert Schüler, Schüler motivieren Lehrer - ein weiterer Prozess positiver Selbstverstärkung!