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Yak - Haltung

© Copyright Gerfried & Anneliese Pongratz

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Der Yak
(Bos grunniens) ist ein asiatisches Hochgebirgsrind und gehört zoologisch zur Unterfamilie Bovinae der Familie Bovidae. Er stammt aus den Hochlagen Zentralasiens (bis 7.000 m Seehöhe) und bildet seit der Jungsteinzeit (5.000 - 1.800 v. Chr.) die Lebensgrundlage der dortigen Bergnomaden. Derzeit gibt es noch ca. 15 Mill. Exemplare; etwa 140 Mill. ha Gebirgsweiden, hauptsächlich in Tibet und der Mongolei, wären ohne Yaks ökonomisch und ökologisch nicht nutzbar.

Im Gegensatz zu unseren Rindern ist der Yak ein Sieben-Nutzungsrind; er liefert Milch, Fleisch, Grob- und Feinwolle, Leder, Energie über den getrockneten Kot und Arbeitsleistung als Reit- und Lasttier. Die Existenz der Bergnomaden Zentralasiens ist zu einem hohen Grad vom Yak abhängig, ihre Ernährung besteht zu über 90% aus Yakfleisch, Yakmilch und deren Verarbeitungsprodukten. Auch wäre eine Besiedelung der holzfreien Flächen über 4.500 m Seehöhe (die höchstgelegenen menschlichen Dauerwohnstätten der Welt liegen in Tibet auf einer Seehöhe von 5.400 m) unmöglich, wenn nicht Heizmaterial in Form von getrocknetem Yakdung zur Verfügung stehen würde.

Von den 15 Millionen Yaks leben ca. 12 Mill. in China (hauptsächlich Tibet) und 600.000 in der Mongolei. Der Rest verteilt sich auf Indien, Bhutan, Nepal und Kirgisien.

Neben den domestizierten Yaks gibt es noch ca. 50.000 Wildyaks, die hauptsächlich im tibetanischen Hochland (über 5.000 m Seehöhe) leben. Ihre langen Hörner (100 bis 120 cm) sind als Jagdtrophäen sehr begehrt und Wildyaks sind deshalb vom Aussterben bedroht.


 

Beschreibung der Tiere

Im Aussehen sind Yaks sehr leicht an ihrem typischen Höcker am Widerrist und dem langbehaarten, pferdeähnlichen Schwanz zu erkennen. Dichte Unterwolle zeichnet ihr Haarkleid aus, die langen Grobhaare am Bauch reichen fast bis zum Boden. Yaks verfügen als einzige Rinderart über ein spezielles Wollkleid, das im Frühjahr von den Tieren abgestreift oder von den Nomaden ausgekämmt und versponnen wird.

Der Yak ist in der Regel kleiner und leichter als unsere einheimischen Rinder. Die Widerristhöhe beträgt 110-130 cm bei den Kühen und 150-180 cm bei den Stieren; an Gewicht erreichen Kühe 300-350 kg und Stiere 600-700 kg; die Schlachtmasse liegt bei 53%.

       

Das Fleisch weist hinsichtlich der Farbe und Zusammensetzung gegenüber unseren Rindern einige Besonderheiten auf: Es verfügt über einen hohen Myoglobingehalt, der eine scharlachrote Farbe bedingt und es zeichnet sich durch einen hohen Protein- und Vitamingehalt aus. Zwischen den Muskelfasern, die deutlich stärker als beim Hausrind ausgeprägt sind, ist wenig oder gar kein Fett eingelagert. Die durchschnittliche Fleischzusammensetzung beträgt: 63% Wasser, 25% Protein (Hausrind 16%), 7-14% Fett.

Yakfett hat ein gelbliches Aussehen; es enthält 19,1 mg Karotin pro kg Fett (Rinderfett 7,1 mg); der Schmelzpunkt liegt bei 53° C.

Die Hörner der Hausyaks sind 80 - 100 cm lang und weisen eine für diese Tierart typische Krümmung zur Seite und an den Spitzen nach hinten auf. Die Krümmung der Hörner nach hinten erfolgt erst in höherem Alter, an seinem Ausmaß kann daher das ungefähre Alter der Tiere abgeschätzt werden. Da sich die Tiere während der Rangkämpfe manchmal gegenseitig verletzen, werden in Asien auch hornlose Yaks gezüchtet. Diese Tiere haben aber keine große Verbreitung erfahren, da sie sich gegen Raubtiere schlechter verteidigen können.

Der Schädel der Tiere ist sehr kompakt, verhältnismäßig schwer mit breiter, nach vorn gewölbter Stirn. Die Tiere tragen den Kopf im Ruhezustand relativ tief zum Boden geneigt, diese Schädelhaltung gibt ihnen ihr sehr charakteristisches Aussehen.

Die Brust ist breit und tief, die 15 Rippenpaare sind lang und stark gebogen. Auffallend ist die voluminöse, dickwandige und dabei sehr elastische Luftröhre. Damit wird eine Atmungsfrequenz von 17 bis 77 Atmungszügen pro Minute möglich. Die Pulsfrequenz beträgt 40-80, die Körpertemperatur liegt zwischen 37,5 und 38,5°C. Die Kapillarbildung im Myocard ist erheblich stärker als beim Hausrind. Diese physiologischen Besonderheiten ermöglichen es dem Yak, bei normaler Atmung auch in Höhen von 7.000m Sauerstoff in ausreichender Menge aufzunehmen.

Hohe Adaptionsfähigkeit an extreme Bedingungen machen Yaks zu einzigartigen Last- und Reittieren in hochalpinen Regionen, sie können dort täglich 20-30 km mit Lasten von 100-150 kg zurücklegen. Selbst auf schmalsten Gebirgspfaden und bei extremen Schluchtenüberquerungen verlieren sie ihre sprichwörtliche Ruhe nicht. Sie durchschwimmen auch ohne Schwierigkeiten Bergseen und Flüsse  mit Reiter und Gepäck  und können steilste Felshänge oder Steige erklettern. Die Vorderbeine vermag der Yak fast senkrecht anzuheben, wenn dies bei extremen Klettertouren erforderlich ist. Die Hinterbeine sind wegen der stark abfallenden Hinterhand ebenfalls sehr gut beweglich, was die Trittsicherheit in unwegsamem Gelände erhöht. Die Kanten der robusten Hufe sind mit außergewöhnlich hartem Horn überzogen. Die Sohleninnenfläche mit weicher, dicker Lederhaut federt bei steilem Abstieg das Gewicht des Körpers auch bei schneller Gangart ab.

Das Haarkleid von Yaks weist mehrere Besonderheiten auf: Als einzige Rinderart verfügt der Yak über innere (Mohair) und äußere Wolle, nach der morphologischen Struktur unterscheidet man zwischen Flaum, Wolle und Rosshaar. Das Kalb ist gleichmäßig mit gekräuselten, langen und feinen Wollhaaren bedeckt, erst nach einem Jahr differenzieren sich die Haare. Bei ausgewachsenen Kühen liegt der Anteil des Flaums bei 20%, der Wolle bei 30% und der Rosshaare bei 50%. Die verschiedenen Haarfasern schließen eine dicke Luftschicht ein und reduzieren damit die Abgabe von Körperwärme auf ein Minimum.

Während der kalten Jahreszeit kommt es zu einem starken Wachstum des dichten Unterhaares und das grobe Außenhaar verdichtet sich. Das Haarkleid hüllt den ganzen Körper wie ein Wollkleid ein und schützt zuverlässig vor Erfrierungen auch bei minus 50° C.

Die Haarfarbe von Yaks ist im allgemeinen schwarz bis schwarzbraun, es gibt aber auch Varianten mit weißem, schwarzweißem und - sehr selten - braunem Fell. Die Fellfarbe ist, wie beim Hausrind, weder Rassemerkmal noch sagt sie etwas über das Verhalten oder die Leistung der Tiere aus.

Die Haut besitzt dickes subkutanes Fettgewebe, das als zusätzlicher Isolator gegen Kälte schützt. Schweißdrüsen sind bei Yaks nur minimal ausgebildet, die Tiere transpirieren wenig und verlieren kaum an Körperwärme .Yaks haben daher ihren optimalen Lebensbereich in kalten Klimaten und trotzen dort sogar ärgsten Schneestürmen bei tiefsten Temperaturen. Verstärkte Sonneneinstrahlung und Wärme lösen dagegen eine erhöhte Atemfrequenz aus, die das Vierfache unserer Hausrinder erreichen kann. Da eine Abkühlung über Transpiration kaum möglich ist, stellen Temperaturen von über 20°C für die Tiere eine Kreislaufbelastung dar.

Die Milch unterscheidet sich sehr deutlich von unserer Kuhmilch. Die Birstmilch besitzt etwa 37% Trockensubstanz mit 18% Eiweiß und 15% Fett. Die Normalmilch enthält noch immer 17% Trockensubstanz, bei 6-8% Fett, 5-8% Eiweiß und 5% Zucker. Im Gegensatz zum Rind verfügt die Yakkuh über ein kleines Euter mit schmalen, etwa 3 cm langen Zitzen. Der Jahresmilchertrag hängt vom Geburtstermin der Kälber ab und liegt zwischen 400 bis 1000 Liter; auch die Tagesmilchmenge steht deutlich unter dem Einfluss der Vegetationsperiode und variiert zwischen 1 Liter (im Winter) und 4 Liter (im Sommer) pro Tag. In der Regel werden die Kühe 2x täglich gemolken, vor dem Melken lässt man die Kälber saugen.
Ein Großteil der Yakmilch wird von den Nomaden zur Butter- und Käseerzeugung verwendet, der Fettgehalt der Yakbutter (Butterfett) liegt bei über 90% und diese ist über Monate haltbar. Sie wird bevorzugt dem Tee beigefügt und stellt in den Lamaklöstern die Ernährungsbasis der Mönche dar. Mit Yakbutter gefüllte Lampen, die während der Gottesdienste angezündet werden, gelten als besondere Zeichen göttlicher Verehrung.

Die Fruchtbarkeit der Tiere ist gut, die erste Bedeckung erfolgt im Alter von 2 - 2,5 Jahren, meist in der Zeit von Juni bis September. Die Trächtigkeitsdauer beträgt durchschnittlich 255 bis 260 Tage. Yakstiere erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 18 bis 20 Monaten, die klimatischen Verhältnisse beeinflussen die Geschlechtsaktivität und Spermaqualität der Tiere.

Hör- und Sehvermögen von Yaks sind - nach Literaturangaben, wir können dies aus praktischen Erfahrungen nicht bestätigen - nicht besonders gut ausgeprägt, der Geruchssinn ist hervorragend entwickelt. Die Tiere kommunizieren hauptsächlich über den Körpergeruch und ihre typischen Grunzlaute, ihre wissenschaftliche Bezeichnung lautet deshalb auch: "Bos grunniens" (Grunzochsen).

 

Fütterung

Obwohl Hochgebirgsgräser meist kurz und hart sind, hat der Yak damit keine Schwierigkeiten. Eine besondere Ausbildung der Lippen und Zunge ermöglicht es den Tieren, auch Weideflächen zu nutzen, die sonst nur von Ziegen beweidetwerden können. Die Zunge ist breit und sehr beweglich, die Zähne sind extrem mahlfest. Da die Grasaufnahme pro Mauleinheit gering und die Fressgeschwindigkeit relativ niedrig ist, müssen die Tiere während der Sommermonate täglich etwa 8 - 10 Stunden fressen. Dies geschieht in unseren - wärmeren - Klimaten bevorzugt morgens, abends und während der Nacht, das Wiederkauen findet in den kühleren Tagesunterständen statt. Yaks können im Notfall auch auf schneebedecktem Grasland weiden. Sie bearbeiten die Schneedecke mit ihren Hufen und sind in der Lage, eine Schneedecke bis zu 10 cm mit dem Kopf und den Hufen zu entfernen, um an das darunter liegende Gras und Moos zu gelangen.

Bezüglich der Futterpflanzen sind Yaks nicht wählerisch, es werden weder Sauer-, Borsten- und Hartgräser, noch Baumflechten verschmäht. Auch Sträucher und Gestrüpp können Yaks als vollwertige Nahrung dienen, was außer Ziegen keiner anderen Haustierart möglich ist. Yaks weiden ohne Schwierigkeiten auch in allersteilstem Terrain, der besondere Körperbau verleiht den Tieren große Beweglichkeit.

Die Fütterung auf unserem Hof ist aufgrund der Genügsamkeit der Tiere sehr einfach. Vom zeitigen Frühjahr bis zum Wintereinbruch ist keine Zufütterung notwendig, auch im Spätherbst, nach Frosteinbruch, wird mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits braun und dürr gewordenen Gras und Gesträuch das Auskommen gefunden; sogar alte und dürre Borstengräser (Bürstling) werden gefressen. Nach unseren Erfahrungen ist es eher problematisch, wenn den Tieren sehr viel junges und eiweißreiches Gras (z.B. nach dem 1. Schnitt) zur Verfügung steht. Der an sich trockene und geformte Kot verwandelt sich dann rasch in dünne Fladen bis hin zum Durchfall. Aus diesem Grund wird bei uns zu Frühjahrsbeginn von Freilauf auf Koppelwirtschaft umgestellt. Die Yaks erhalten zu dieser Zeit nur begrenzt frische Äsung angeboten, die guten Wiesen werden Nachbarkühen überlassen.

Im Winter wird den Tieren Heu und/oder Ballensilage gegeben; das Futter wird dabei über einen Zaun in eine Koppel geworfen, um damit auch gleichzeitig eine Mistverteilung zu erreichen. Vorratsfütterung für mehrere Tage ist möglich und es werden dabei - im Gegensatz zu anderen Tieren wie Schafen, die das Futter in den Boden treten und dann nicht mehr aufnehmen - auch die letzten  Futterreste vom Boden penibel aufgelesen. Die Heumenge pro Tier und Tag beträgt etwa 3-4 kg.

Abgesehen von Mineralsalzsteinen erhalten die Tiere kein Zusatz- oder Kraftfutter. Als Lockfutter zum Herbeirufen oder für besondere Gelegenheiten, um mit ihnen z.B. zu wandern, wird Kleie verwendet.

Mögliches Problem: Auf unserem Hof gibt es - bis jetzt leider unausrottbar - starken Aufwuchs der Giftpflanze "Weißer Germer". Kälber müssen erst lernen, diese Pflanzen zu meiden und so ist es bereits vorgekommen, dass Jungtiere daran naschten und an Atemlähmung gestorben sind. Erwachsene Tiere meiden diese Pflanze.

 

 

Nachwuchs

Unsere Yakkühe werden gemeinsam mit Stieren freilaufend gehalten und bringen im allgemeinen  jedes Jahr Nachwuchs. Wenn eine Kuh brünstig wird, sind alle Stiere hinter ihr her; die Jungstiere besitzen aber keine Chance auf einen Sprung, solange der "Chef" agil und bei guter Gesundheit ist. Es entsteht manchmal der Eindruck, dass die Jungstiere es auch gar nicht ernsthaft versuchen, da sie wissen, dass sie gegebenenfalls vom Hauptstier sofort angegriffen und vertrieben werden.

Yaks sind instinkt- und verhaltensmäßig wesentlich naturnäher als domestizierte Hausrinder. Die Geburt von Kälbern richtet sich daher nach den Jahreszeiten; unsere Tiere haben noch nie im Winter - vor Anfang April, bzw. nach Ende September - gekalbt. Da wir aber auch im April noch öfters hohe Schneelagen haben, werden manchmal Kälber auch direkt in den Schnee geboren - es schadet ihnen aber offensichtlich nicht.

Da Yakkälber bei der Geburt ziemlich klein sind (das Geburtsgewicht beträgt nur 9-10 kg) und das Fell der Kühe über den tatsächlichen Körperumfang täuscht, ist Trächtigkeit schwer zu erkennen und in ihrem Stadium kaum abzuschätzen. Kurz vor der Geburt verlässt die Mutterkuh die Herde und sucht - auf unserem Hof im dichten Unterholz - ein Versteck, in dem es erst zur Geburt kommt, wenn sie sich auch tatsächlich unbeobachtet fühlt. Das Neugeborene besitzt ein dichtes Fell und wird von der Mutter sofort trocken geleckt; es kann nach etwa 5 Minuten stehen und sucht sofort nach Milch. Das Kalb verbleibt 1-2 Tage in seinem Versteck, wobei die Mutter zum Weiden und Trinken das Jungtier gelegentlich für einige Zeit verlässt. Dies führte auf unserem Hof leider einige Male dazu, dass Wildschweine das kleine Kalb töteten und verschleppten, wir fanden nur mehr Teile des Skeletts.


Die Fürsorge der Yakkuh für ihr Kalb ist im allgemeinen sehr ausgeprägt; sie lässt es auch in der Herde kaum unbeaufsichtigt; trotzdem kann es vorkommen, dass neugeborene Kälber bei der ersten Besichtigung und Beschnupperung durch die Herde von anderen Tieren - zur Klärung der Rangordnung - mit den Hörnern gestoßen werden. Dies kann unter Umständen sogar zu tödlichen Verletzungen führen; es ist deshalb wichtig, kurz nach der Geburt von Kälbern eventuelle Futterangebote an die Herde so weit zu verteilen, dass jedes Tier einen eigenen Futterhaufen erhält.

 

 

Der Umgang mit den Tieren

ist im Prinzip einfach: Yaks sind gutmütig und im allgemeinen von sprichwörtlicher Ruhe, es sind aber auch gelegentliche Panikreaktionen in vermeintlichen Gefahrensituationen möglich und vor allem im Umgang mit Mutterkühen sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten:

Neugeborene Kälber sind sehr scheu und es ist daher notwendig, sie möglichst bald nach der Geburt durch Kraulen und Streicheln an den Menschen zu gewöhnen. Wir führen diese Aktion durch, indem wir das Muttertier samt Kalb mit etwas Kleie in die Nähe eines stabilen Zaunes locken, danach die Kuh mit einem Leckerbissen ablenken und dabei das Kalb von einer 2. Person möglichst schnell durch den Zaun ziehen oder über den Zaun reichen lassen. Eine gute Methode ist auch, die Kuh durch eine Zaunabsperrung oder, noch besser, ein Tor in eine andere Weide zu locken und dabei aus gedeckter Stellung die Absperrung oder das Tor so schnell zu schließen, dass das Kalb draußen bleibt und gefangen werden kann. All diese Aktionen sind nicht ungefährlich, da auch zahme Kühe auf die Trennung vom Kalb sehr aufgeregt und aggressiv reagieren und in der Nähe befindliche Menschen attackieren. Wir sorgen aber dafür, dass die Mutterkuh nach dem Einfangen des Kalbes dieses sehr rasch wieder durch den Zaun beschnuppern und belecken kann, während wir es festhalten und streicheln (siehe Bilder).
 

Dem Kalb werden bei dieser Gelegenheit auch die Ohrmarken eingezogen.
 

Auch während der folgenden Tage muss das Kalb immer wieder gestreichelt und gekrault werden; dies ist meist nur in der Nähe der Mutterkuh möglich und man sollte bei diesen Aktionen stets einen stabilen Stock zur Hand haben, um eventuelle Aggressionen der Mutterkuh abwehren zu können. Je älter das Kalb aber wird, desto gelassener reagiert im allgemeinen die Mutterkuh auf Annäherungsversuche am Kalb und zahme Kühe gestatten diese sehr bald ohne weitere Reaktionen.

Diese Maßnahmen sind wichtig; wenn man sie versäumt, bleiben die Kälber und später auch die erwachsenen Tiere ihr Leben lang mehr oder weniger scheu und sind dadurch schwieriger zu handhaben. Nicht handzahme Kühe können gefährlich sein, solange sie ein Kalb führen.
 

Abgesehen von Muttertieren mit neugeborenen Kälbern sind im Allgemeinen unsere Tiere so zutraulich, dass sie unter Grunzlauten gelaufen kommen, wenn man sie ruft; sogar der große Stier möchte immer wieder am Rücken und zwischen den Hörnern gekrault werden und legt auch sonst größten Wert darauf, genügend beachtet zu werden und "Streicheleinheiten" zu erhalten. Er legt sich dazu sogar - wie ein Hund - nieder und grunzt vor Wohlbehagen, wenn er intensiv gekrault wird.

Die Gutmütigkeit von Yaks sollte nicht dazu verleiten, allgemeine Vorsicht außer Acht zu lassen. Das Verhalten der Tiere kann sich in bestimmten Situationen sehr rasch ändern. So reagieren sie z.B. auf Hunde äußerst aggressiv: Wenn sie angekläfft werden, bildet die Herde rasch einen Kreis und die Leitkuh (Yaks leben, wie andere Rinder auch, in einem Matriarchat) attackiert den Eindringling blitzschnell und sehr vehement. Die Tiere erreichen dabei die Geschwindigkeit von Pferden und sogar ausgewachsene Schäferhunde können manchmal den Hörnern nicht entkommen.

Yaks können auch in Panik geraten, wenn sie z.B. von Dasselfliegen oder großen Rinderbremsen attackiert werden. Es ist deshalb empfehlenswert, die Tiere auch beim Kraulen ständig zu beobachten und auf mögliche Unruhefaktoren zu achten.

Rangordnungskämpfe und spielerische Rangeleien zwischen den Jungtieren, den Stieren und auch zwischen den Kühen sind an der Tagesordnung, im allgemeinen bleiben diese aber harmlos, außer es geschieht in der Brunftzeit einer Kuh. Kämpfe zwischen Kühen und Jungstieren kommen ebenfalls vor, solange letztere noch nicht ganz ausgewachsen sind. Kämpfe zwischen dem Deckstier und der Leitkuh sind sehr selten, normalerweise lässt der "Chef" die Leitkuh - und nur diese - gleichberechtigt neben sich fressen.
Unter den Kühen sind Rangordnungskämpfe oft heftiger als unter den Stieren. Besonders durch z.B. Zukauf später zur Herde gebrachte Kühe werden anfangs massiv attackiert. Die Hierarchie unter den Kühen ist sehr strikt und wechselt kaum. Rangniedrigere Kühe werden von den besseren Futter- oder Liegeplätzen vertrieben und sind dadurch scheuer (und meist im Verhalten schlauer). Auch die Geburt eines Kalbes verhilft der rangniedrigeren Kuh zu keiner besseren Position, ihr Kalb ist in den ersten Lebenswochen sogar gefährdet, da es von den ranghöheren Tieren vom Futterplatz  vertrieben wird.

Im Winter sind die Bewegungen von Yaks langsam und gemächlich,  im Frühjahr jedoch, wenn die Temperaturen steigen, gibt es manchmal richtige Wettrennen ("scherzen" in der Jägersprache). Dabei hecheln sie wie Hunde mit heraushängender Zunge und keuchendem Atem.

Ein Treiben der Tiere ist kaum möglich, sie reagieren darauf mit Erschrecken oder Drohgebärden. Gehen mit den Tieren ist leicht zu bewerkstelligen, wenn eine Person vorausgeht und mit etwas Futter lockt. Sind die Tiere einmal in Bewegung, folgen sie willig auch über weite Strecken. Die Behandlung der Tiere muss generell sanft und ohne Druck erfolgen, um keine Panik aufkommen zu lassen.

Klauenpflege ist unter den Bedingungen unseres Bauernhofes nur sehr selten notwendig; auf den Weideflächen befinden sich mehrere Felsgruppen, die von den Tieren immer wieder erklettert werden. Dabei brechen zu lange Klauen von selbst ab.

Unsere Erfahrungen in der Haltung sind durchaus positiv, die bekannten positiven Eigenschaften der Tiere haben sich auch auf unserem Hof, in unserem Klimagebiet bewährt, befürchtete Probleme in der Sommerzeit sind nicht aufgetreten. Von Krankheiten blieben wir bis jetzt verschont, außer für eine gelegentliche Entwurmung werden im allgemeinen keine Medikamente benötigt.

Die Vermarktung unseres Nachwuchses als Zuchttiere war bisher kein Problem, die Nachfrage übersteigt unser Angebot bei weitem. Es wäre auch sehr leicht möglich, das extrem cholesterinarme, hervorragend schmeckende Fleisch zu guten Preisen zu verkaufen, wir schlachten unsere Tiere im Allgemeinen aber nicht. Im Vergleich zu herkömmlichen Rindern  ist der Fleischzuwachs bei Yaks deutlich geringer, dies wird jedoch durch wesentlich niedrigere Haltungskosten und sehr geringen Arbeitsaufwand aufgewogen. Außer den Anschaffungskosten, der Zaunerhaltung (es genügt Spitzdraht) und der Heu- oder Silageballenerzeugung fallen praktisch keine Kosten an. Ein Verspinnen der Winterwolle, bzw. Verweben der Grobhaare haben wir aus Zeitmangel noch nicht versucht, Freunde haben es aber mit der Wolle unserer Tiere bereits erfolgreich praktiziert.


 

Der KLOAREINISCHHOF

     

liegt auf der Koralpe, in 1.200 m Seehöhe, im Gemeindegebiet des seiner idyllischen Lage wegen geschätzten Marienwallfahrtsortes Osterwitz (Bezirk Deutschlandsberg, Steiermark). Der Hof ist etwa 800 Jahre alt, seine Geschichte sowie die Geschichte des Gebietes und der Osterwitzer Kirche sind in einer Hofgeschichte ausführlich dokumentiert (Gerfried Pongratz: Hofgeschichte des Almbauernhofes "Kloareinisch").

 
          

Der Hof verfügt über Weideflächen sehr unterschiedlicher Qualität, neben Mähwiesen gibt es steile Hartgräserwiesen, Fels- und Buschland mit z.T. alpiner Flora, Sumpfflächen mit Sauergräsern und  Ödland mit unterschiedlichem Baumbestand. Einige Quellen und ein kleiner Bach versorgen unsere Yaks mit dem notwendigen Wasser. Die gesamte Weidefläche ist für  die Tiere mit einem etwa einen Meter hohen Spitzdrahtzaun eingezäunt, die auf Grund ihres Grasbewuchses wertvolleren Wiesen und Mähweiden sind in Koppeln unterteilt.

Während der Sommermonate ist das Klima am Hof angenehm kühl und erfrischend, im Herbst und Winter sehr kalt, aber im Gegensatz zu den Tallagen, die häufig im Nebel liegen, meist sonnig. Die Schneelagen sind im allgemeinen hoch, die Schneedecke bleibt meist von Anfang November bis Mitte April geschlossen.

Seit 1995 betreiben wir auf dem Kloareinischhof Yakzucht, die Tiere sind für unsere Höhenlage gut geeignet und fühlen sich augenscheinlich wohl.

Im Winter bleiben unsere Yaks ständig im Freien und sind oft so weit eingeschneit, dass nur mehr der Kopf aus dem Schnee ragt. Etwa ab Anfang November beginnen Wolle und Flaum verstärkt zu wachsen; je kälter es wird, desto schneller erfolgt die Wollzunahme. Innerhalb von 6 Wochen verdoppelt sich das Haarkleid der Tiere und bis Mitte Dezember haben sie die volle "Winterausrüstung" erreicht. Auch extreme Minustemperaturen verursachen ihnen dann keinerlei Probleme.

Im Sommer ist die Situation etwas schwieriger: Etwa ab Ende Mai, bei Tagestemperaturen von über 20° C, kann man sehen, dass die Tiere unter der Hitze und vor allem auch unter Fliegen und Rinderbremsen leiden. Im Gegensatz zu den meisten heimischen Rinderrassen sind die Ohren von Yaks nicht groß genug, um damit auf die Augen zu schlagen und Fliegen zu vertreiben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt muss den Tieren tagsüber ein schattiger, kühler Aufenthaltsort zur Verfügung stehen. In unserem Fall sind das dichte Unterholzbestände und ein alter aus Steinen gemauerter Stall, der kühl und wegen der darin herrschenden Dunkelheit fliegenfrei ist. Zu anderen Jahreszeiten gehen die Tiere nur dann in den Stall, wenn ihnen dort Lockfutter angeboten wird.

 

Warum Yaks?

Wie in der Einleitung erwähnt, benötigen wir für unseren Hof Tiere, die im Hinblick auf Futter anspruchslos sind, sehr wenig Pflegeaufwand erfordern, auch unsere Extensivweiden in schwierigem Gelände nutzen und im Winter mit Heu- oder Silagevorrat tagelang im Freien allein gelassen werden können. Yaks erfüllen diese Anforderungen in idealem Ausmaß, sie sind für extensive Bewirtschaftungsformen in kühlen Klimagebieten, bzw. Höhenlagen, allen anderen Haustieren überlegen. Nicht zuletzt aber auch wegen ihrer Zutraulichkeit, ihrer Intelligenz und ihrem schönen Erscheinungsbild haben wir sie ins Herz geschlossen und möchten sie nicht mehr missen. Unsere Tiere werden von uns nicht nur als Wirtschaftsfaktor und "Betriebsmittel", sondern auch als "Haustiere" im engeren Sinne betrachtet und gehalten.

 

Zusammenfassung

Aus den körperlichen Merkmalen des Yak und aus seinen besonderen Eigenschaften und Verhaltensweisen ergibt sich, dass diese asiatische Rinderart unter geeigneten Bedingungen  auch in Europa sinnvoll zu halten ist und eine interessante Alternative für extensiv bewirtschaftete Höhenlagen darstellt. Trotz der im Vergleich zu einheimischen Rindern geringen - aber besonders hochwertigen - Fleisch- und Milchproduktion kann mit Yaks wegen ihrer sehr niedrigen Haltungskosten und des extrem geringen Arbeitsbedarfes ein relativ hoher Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden. Die Tiere müssen zudem auch als Landschaftspfleger gesehen werden; sie sind wegen all dieser Eigenschaften  in die nationalen und europäischen Förderungsmaßnahmen für Almwirtschaft, Rinderhaltung, Biolandwirtschaft etc. einbezogen.

 

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Literatur:
Epstein H.:
Yak and Chauri; World Animal Review, No 9, 8-12, 1974
Lensch J.:
Die Yakhaltung in Zentralasien etc., Praktischer Tierarzt; 75 ;5 425-434; 1994
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Der Yak in Zentralasien; Giessener Abhandlungen, Bd 205., Verlag Duncker&Humblot, Berlin, 1996
Rong-chang Z.:
China - the Yak; World Animal Review, No 54, 24-29, 1985
Sharma KB et.al.:
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Singh UB:
Yak-an important animal of Asian mountains; Indian Veterinary Medical Journal; 11; 2; 125-127; 1987
Pal RN:
Yak of India: Animal Genetic Resources Information No 12, 1993
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Domestic Yak-a research review; Indian Journal of Animal Sciences; 63; 7; 743-753; 1993
Wiener G., Jianlin H., Ruijun L.:
THE YAK, FAO Publication, ISBN 92-5-104965-3, 2003
Isabel Hossle: YAKHALTUNG, Diplomarbeit an der ETH Zürich, Institut für Agrarwirtschaft, 2000

Links:

Yak in Wikipedia:
www.de.wikipedia.org/wiki/Yak


Yakzucht in der Schweiz:

Daniel Wismer + Sonja Mathis: www.yaks.ch

Yakzucht in Österreich:

Yakhalterverband
: http://www.yak-halterverband.at/

Familie Rumplmair: www.yakzucht.at

Robert Maichin: http://yakzucht-maichin.at/

Ferdinand Schaunig: http://www.yak-revier.at/

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